Eine Demonstration zum 1. Mai mit 300 Teilnehmern
hat der NPD-Aktivist Christian Hehl bei der Stadtverwaltung
Frankenthal angemeldet. Das hat die Verwaltung auf Anfrage
bestätigt. Oberbürgermeister Theo Wieder (CDU)
will deshalb zum selben Termin zu einer Kundgebung auf dem
Rathausplatz aufrufen: „Insbesondere in der Nähe
des 60. Jahrestages des Kriegsendes" müsse man
klar machen, dass „in Frankenthal radikaler Agitation
entgegengetreten wird", sagte der Verwaltungschef gestern.
Nach Angaben Wieders und des Ordnungsdezernenten
Karl-Ernst Gehrke (CDU) hat Hehl einen ab 11 Uhr vom Bahnhof
ausgehenden Demonstrationszug angemeldet, der „um
die Stadt herum und durch die Stadt" führen soll.
„Mit massiven Gegendemonstrationen ist zu rechnen",
sagte Wieder. „Die Polizei bereitet sich besonders
darauf vor, um gewalttätige Auseinandersetzungen zu
unterbinden."
„Wir haben keine rechtlichen Möglichkeiten,
eine solche Kundgebung zu verhindern", unterstrich
der Oberbürgermeister. Die Stadt werde dem Antragsteller
aber „eingehende Vorgaben übermitteln".
Mit der Kundgebung auf dem Rathausplatz
will Wieder erreichen, dass sich „die Parteien des
demokratischen Spektrums, Gewerkschaften, Kirchen, Vereine,
Verbände und alle interessierten Bürgerinnen und
Bürger" zusammenschließen und „ein
Zeichen der demokratischen Verbundenheit setzen".
Zu einer Vorbesprechung im April wolle
er noch einladen, kündigte der OB an. Um ein möglichst
breites Spektrum zu vereinen, halte er es für sinnvoll,
dass die Stadt die Kundgebungs-Trägerschaft allein
übernehme, sagte Wieder. Wenn der DGB eine eigene Mai-Veranstaltung
abhalten wolle, könne er das anschließend tun.
Mit diesem Verfahrensvorschlag habe er
keine Probleme, sagte auf Anfrage Mehmet Ünal, Organisationssekretär
der DGB-Region Vorder- und Südpfalz in Ludwigshafen.
Die Frage, ob die Gewerkschaften zusätzlich eine eigene
Veranstaltung organisierten, sei noch offen. An der Kundgebung
auf dem Rathausplatz wolle man sich beteiligen. Es sei erfreulich,
wenn sich der Frankenthaler OB persönlich „gegen
die braune Soße" engagiere.
Christian Hehl, Anmelder der Demonstration
zum so genannten „Tag der deutschen Arbeit",
war im Herbst 2002 Ludwigshafener Direktkandidat der NPD
bei der Bundestagswahl und hatte zuletzt die NPD im sächsischen
Landtagswahlkampf unterstützt. Der mehrfach wegen rechtsextremistischer
und Gewaltdelikte vorbestrafte Skinhead gehörte zuvor
anderen mittlerweile verbotenen neonazistischen Gruppierungen
an.
Gegen Hehls Frankenthal-Auftritt machen
unterdessen auch so genannte Antifa-Gruppen mobil: „Nazis
bekämpfen, auf allen Ebenen, mit allen Mitteln!"
heißt es in einem Aufruf, der im Internet verbreitet
wird.
Kommentar
Auf die Strasse!
Erst in Routine erstarrt, dann sang- und
klanglos gestrichen: Mai-Kundgebungen waren in Frankenthal
in den letzten Jahren kein Thema mehr.
Diesmal ist die Lage anders: Rechtsextremisten
wollen das frei gewordene Terrain besetzen und hoffen, wie
sie ganz offen verbreiten, auf „größtmögliche
Resonanz in der Bevölkerung". Am „Tag der
deutschen Arbeit" (bei den Nazis hieß das: „Tag
der nationalen Arbeit") liegen die Themen auf der Hand:
Arbeitslosigkeit, Kürzungen im Sozialsystem, Zukunftsängste
- damit hoffen Neonazi-Kameraden ihr Süppchen kochen
zu können.
Es ist, 60 Jahre nach Kriegsende, ein makabrer
Auftritt, der uns erwartet. Frankenthal sollte den Demo-Touristen
zeigen, wo die Mehrheit steht: auf der Seite der Demokratie,
auf der Seite derer, die gelernt haben, wohin braune Parolen
führen. Das Motto für den 1. Mai 2005 heißt:
Auf die Straße!