Zeit
für praktische Solidarität
Es
herrscht Krieg, der Protest gegen diesen Krieg bringt
jedoch keine Tausenden von DemonstrantInnen auf die
Strasse. Dieser Krieg findet vorwiegend im Verborgenden
statt: Es ist der Krieg gegen Flüchtlinge.
Nur
manchmal gelangen Informationen über diesen Krieg
an die Öffentlichkeit. Zuletzt diesen Sommer,
als das gleichnamige Schiff der Flüchtlingshilfsorganisation
"Cap Anamur" im Mittelmeer 37 afrikanische
Flüchtlinge vor dem Ertrinken rettete. Die darauffolgende
Irrfahrt des Schiffes und dessen Landung in Südsizilien
fand großen Widerhall in den Medien. Für
einen kurzen Zeitraum gelangte das Sterben und das
Elend an den Außengrenzen der Europäischen
Union und die verzweifelten Versuche zahlloser Menschen
die Mauern der Festung Europa zu überwinden ins
Licht der Öffentlichkeit.
Die
37 Flüchtlinge wurden wieder in die Zonen des
Krieges und der Armut abgeschoben, die sie so verzweifelt
zu verlassen versuchten. Der damalige Leiter von Cap
Anamur Elias Bierdel wurde abgewählt. Der Krieg
findet wieder im Verborgenen statt.
Abschiebeknäste
sind eine der grausamsten Waffen in diesem Krieg und
der größte Abschiebeknast Baden-Württembergs
befindet sich in Mannheim. In ihm befinden sich zur
Zeit etwa 100 Insassen. Diese Menschen haben keine
Verbrechen begangen, nur den Versuch unternommen,
in einem anderen Land ihren Traum vom Glück und
einem Leben ohne Verfolgung oder Armut verwirklichen
zu wollen.
Abschiebeknäste
sind neben Flüchtlingsheimen und zahllosen Schikanen,
wie Residenzpflicht, der Versorgung mit Fresspakten,
denen Flüchtlinge ausgesetzt sind, vor allem
Instrumente, um Flüchtlinge zu isolieren, zu
stigmatisieren und weiter zu entrechten.
Flüchtlingsströme
sind Ausdruck der sich weltweit verschärfenden
kapitalistischen Globalisierung. Dass die Reichen
auf Kosten der Armen reicher werden ist eine Binsenweisheit,
die sich jedoch so lange bequem ignorieren lässt,
wie diese "Armen" nicht direkt vor der Haustüre
lagern. So lange die Flüchtlingslager weit weg
von der eigenen kleinbürgerlichen Idylle bestehen,
dient das Leid der Menschen auch zur Beruhigung des
eigenen Gewissens, via "Brot für die Welt"
oder einem eigenen "World Vision Patenkind".
So
nimmt es nicht Wunder, dass die Politik der Europäischen
Union und der zahllosen NGO’s und "Flüchtlingshilfs-"
Organisationen alle in die selbe Richtung weisen:
die Konzentration von Flüchtlingen in der Nähe
der Zonen von Armut und Krieg. Seit fast einem Jahrzehnt
wird dieses "Migrationsmanagement" perfektioniert.
"Den Menschen dort helfen wo sie leben"
nennt man das dann.
Dabei
ist es paradox den Menschen dort helfen zu wollen
wo es am schwierigsten ist: in den strassenlosen,
trockenen Wüsten die von marodierenden Söldnerbanden
und Milizen mit klangvollen Namen kontrolliert werden.
Oder dort wo korrupte Regime das Leid der eigenen
Bevölkerung verursachen. Dort soll diese effektive
Hilfe möglich sein? Im Gegenteil, diese Hilfe
richtet sogar noch Schaden an. Entwicklungs- und Flüchtlingshilfe
sind ein Teil der Mittel, die diese "Bürgerkriegsökonomien"
am Laufen halten und verlängern. Dies kann jede(r)
sehen der sich genauer mit den Zonen des Krieges etwa
in Afrika beschäftigt.
In
oben genannter Logik funktioniert auch das neue Zuwanderungsgesetz.
Längst hat man sich von der alten Xenophobie
verabschiedet. Das im Sommer 2004 verabschiedete Zuwanderungsgesetz
soll die Migration effektiv steuern. Im Klartext geht
es dann um die Abschöpfung des "Humankapitals"
der dritten Welt in Form von Wissenschaftlern, IT
Experten und Fußballspielern. Für diese
Menschen wird die Migration vereinfacht. Für
alle Menschen die "nur" aus Furcht, Hunger
oder Armut flüchten bleiben die Tore der Festung
Europa weiter verschlossen. Um mit Günther Becksteins
Worten zu sprechen: "Wir müssen darauf achten,
dass weniger Ausländer kommen die uns ausnutzen,
sondern mehr die uns nutzen."
So
gesehen ist der Krieg gegen Flüchtlinge nicht
nur ein Krieg, in dem rassistische Ausschlüsse
funktionieren, sondern es handelt sich auch und vor
allem um einen Krieg gegen die Armen, egal welcher
ethnischen Herkunft oder welchen Glaubens sie sind.
Das repressive und unmenschliche Migrationsmangement
ist insofern vor allem eine Waffe der Reichen in den
sich globalisierenden Klassenkämpfen.
Wer
auch immer sich noch den Werten der Aufklärung
von Freiheit, Gleichheit und Solidarität verpflichtet
fühlt, kann deswegen nur für die freie Mobilität
aller Menschen weltweit kämpfen, unabhängig
von ihrer Herkunft, ihres Geschlechts oder ihrer gesellschaftlichen
Stellung. Jeder Mensch hat das Recht dort zu leben
wo er oder sie leben will. Es gibt keinen Kompromiss.
Am
Samstag den 11.Dezember 04 werden wir symbolisch eines
der Repressionsinstrumente gegen Flüchtlinge
angreifen und öffentlich machen: den Abschiebeknast
in Mannheim. Zeit für praktische Solidarität.
Die Abschiebeknäste dichtmachen, die Festung
Europa schleifen.
AK
Antifa Mannheim, Dezember 2004.
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