Schaffen
wir ... 1, 2, 3 ... den Kapitalismus ab!
Aufruf
des AK Antifa Mannheim zu den Aktionstagen für
autonome Freiräume vom 11. bis 12. April 2008
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Fr. 11. April: Demo in Heidelberg, ab 17 Uhr Marktplatz
HD-Neuenheim
- Sa. 12. April: Aktionstag in Karlsruhe "Alles
ist erlaubt...", ab 12 Uhr
- Sa. 12. April: Straßenfest in Mannheim, ab
15 Uhr MA-Jungbusch, Hafenpromenade
Am
Wochenende des 11./12. April 2008 finden international
Aktionstage für autonome Freiräume, besetzte
Häuser, soziale Zentren und selbstverwaltete
Projekte statt. Auch in der Rhein-Neckar-Region wird
einiges los sein: Demo, Straßenfest, Aktionen,
Critical Mass, Radioballett, Infostände, Kunst,
Kultur und vieles mehr. Wir rufen zu den Aktionstagen
auf, einerseits um die Forderung nach mehr autonomen
Freiräumen zu unterstützen und zu stärken,
außerdem eignet sich dieses Aktionsfeld, um
eine grundsätzliche Gesellschaftskritik zu äußern.
Freiraume
vor der Haustür
Die Rhein-Neckar-Region war in den letzten Jahrzenten
häufig Austragungsort von Konflikten, bei denen
erfolgreich Freiräume erkämpft wurden. In
den Siebzigern wurde das JUZ in Mannheim von einer
breiten und starken Jugendzentren-Bewegung erkämpft
und bietet bis heute der Region einen Ausgangspunkt
für linke Politik und Gegen-Kultur. Das Autonome
Zentrum (AZ) in Heidelberg entstand nach einer Reihe
von Besetzungen Anfang der neunziger Jahre und existierte
fast zehn Jahre lang. Überhaupt gab es vor allem
in den Siebzigern, Achtzigern und Neunzigern auch
in der Region zahlreiche Besetzungen, aus denen mehr
oder weniger dauerhafte Projekte entstanden sind.
Die letzten größeren Aktionen dieser Art
gab es 2003/2004 in Mannheim und Heidelberg. Die Besetzungen
"Linkes Ufer" und "Casa Loca"
brachten neuen Schwung in die Bewegung mit dem gar
in aktuelle Konflikte interveniert werden konnte.
In Mannheim begann zu dieser Zeit die (bis heute andauernde)
Umstrukturierung des Stadtteils Jungbusch vom sozialen
Brennpunkt zu einem hippen StudentInnen- und KünstlerInnen-Viertel.
Die Verdrängung sozial Schwacher als Folge dieser
Stadtpolitik wurde mit der Besetzung scharf kritisiert.
In Heidelberg kam die Besetzung kurz vor einer groß
angekündigten Demo zum fünften Jahrestag
der AZ-Räumung. Auch danach kam es zu zahlreichen
größeren und kleineren Demos, Besetzungen,
Partys und vielen weiteren Aktionen.
No
way out with capitalism!
In den Kämpfen um Häuser und Räume
werden grundsätzliche gesellschaftliche Widersprüche
deutlich. Im Kapitalismus ist der Tauschwert der Waren
die entscheidende Eigenschaft der Dinge. Da es sich
bei den Häusern um Waren auf dem Immobilienmarkt
handelt, werden diese zum Zweck der Verwertung gehandelt.
So kommt es, dass nicht der eigentliche Nutzen der
Häuser – nämlich die Möglichkeit,
darin zu wohnen, zu arbeiten und zu leben –
ihren Zweck bestimmen, sondern ihr jeweiliger Wert
auf dem Markt. Leerstand, Spekulation, Abriss oder
Verkauf sind für die EigentümerInnen profitabel.
Der Staat schützt dieses Eigentum. Die Konsequenzen
sind die Kriminalisierung von Besetzungen leerstehender
Häuser sowie Räumungsklagen gegen zahlungsschwache
MieterInnen oder unliebsame NutzerInnen. Am Beispiel
Jungbusch wird kapitalistische Verwertungslogik deutlich.
Aufgrund des Zuzugs zahlungsstarker neuer BewohnerInnen
in den Stadtteil werden Häuser saniert und modernisiert
– steigende Mieten sind die Folge. Sozial schwache
BewohnerInnen, denen über Jahre notwendige Modernisierungen
verweigert wurden, können sich die neuen Mieten
nicht mehr leisten. Dabei hat doch jeder Mensch das
Bedürfnis, in einer schönen Wohnung mit
moderner Bausubstanz zu leben – der gesellschaftliche
Reichtum könnte es eigentlich möglich machen.
Doch das ist im Kapitalismus nicht drin. Es wird lediglich
das Ziel der Kapitalanhäufung verfolgt, nicht
etwa allen Menschen ein gutes Leben zu ermöglichen.
Das
negative Potential: "Jeder Stein der abgerissen
... "
Daher müssen Freiräume gegen die Verwertungslogik
des Kapitalismus durchgesetzt werden. Hier hilft es
nicht, an den Staat zu appellieren. Dieser hat immer
die Funktion, gesellschaftliche Konflikte zu kanalisieren
und in geordnete Bahnen zu lenken. Widersprüche
zwischen den Interessen der Menschen und denen des
Kapitals sollen geglättet oder verwischt werden.
Die Schaffung und Erhaltung des Mannheimer JUZ ist
auch keine milde Gabe eines wohltätigen Staates.
Seine Existenz begründet sich auf nachhaltigen
öffentlichen Druck und eine starke Bewegung,
die stets bereit ist, das JUZ zu verteidigen. In Zeiten
des Postfordismus tritt der repressive Charakter des
Staates immer deutlicher zu Tage. Während in
den siebziger und achtziger Jahren illegale Besetzungen
häufig durchgesetzt werden konnten und als legitime
politische Form toleriert wurden (später oft
als Wohn- oder Kulturprojekte legalisiert), sind wir
heute mit einem autoritären Staat und zunehmend
reaktionären Tendenzen in der Gesellschaft konfrontiert.
Sozialabbau (z.B. härtere Arbeitsbedingungen,
Hartz-IV als "Sozialleistung" oder Studiengebühren),
Rassismus, Nationalismus sowie der Ausbau zum Polizei-
und Überwachungsstaat bestimmen das Programm,
dass sich auch auf die linke Bewegung auswirkt. Autonome
Freiräume werden nicht nur von der Privatwirtschaft
angegriffen. Die Räume einer kritischen Bewegung,
in denen subversives Gedankengut entsteht, werden
vom Staat als Bedrohung angesehen. Wenn wir unsere
Freiräume verteidigen wollen, dürfen wir
also nicht mit, sondern müssen gegen Staat und
Kapital vorgehen und deren Negation verantreiben.
Auf
zu linken Ufern!
Dabei sind autonome Freiräume für die radikale
Linke unabdingbar. Als Ausgangspunkt von Kommunikation,
Politik und Kultur stellen sie die strukturelle Grundlage
der Bewegung. Die Schaffung jedes Freiraums ist ein
weiterer – wenn auch kleiner – Schritt
in Richtung einer befreiten Gesellschaft. Sich in
die Freiräume zurückzuziehen wäre dabei
das falsche Signal. Der Umsonstladen ist nicht der
Kommunismus – der Kampf um Freiräume ist
aber durchaus eine Bewegung in die richtige Richtung
im Kampf ums Ganze.
Auf
zu den Aktionstagen am 11. und 12. April in Heidelberg,
Karlsruhe und Mannheim!
Schaffen wir 1, 2, 3, viele autonome Zentren ... und
den Kapitalismus ab!
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