Erklärung
zur antikapitalistischen Demonstration „Unsere
Wahl: Soziale Revolution“
Pressemitteilung
des AK Antifa Mannheim vom 26.09.2009
Am
26.09. - einen Tag vor der Bundestagswahl –
veranstaltete das Bündnis „Soziale Revolution“
eine Demonstration durch die Mannheimer Innenstadt.
Etwa 250 bis 300 TeilnehmerInnen folgten dem Aufruf,
der Kritik am Wahlzirkus der parlamentarischen Demokratie
und der kapitalistischen Produktionsweise formulierte.
Die Demonstration wurde bewusst nicht angemeldet.
Dies stellt eine neue Praxis in der politischen Landschaft
Mannheims dar und ist auch als Antwort auf die geplante
Verschärfung des Versammlungsgesetzes in Baden-Württemberg
zu sehen.
Der
AK Antifa Mannheim erklärt zum heutigen Tag folgendes:
1.
Das Bündnis erzielte einen Erfolg, da die Demonstration
unangemeldet durchgesetzt werden konnte.
2. Die Demonstrationsfreiheit wurde massiv von der
Polizei eingeschränkt. Eine Außenwirkung
war nur durch laute Parolen zu erzielen. Transparente
waren nicht lesbar, da die Demo durch mehrreihiges
Polizeispalier eingekesselt wurde. Auch das Verteilen
von Flugblättern und das Gespräch mit PassantInnen
wurde dadurch unmöglich.
3. Wir stellen fest, dass es keinen großen Unterschied
macht, ob linke Demonstrationen angemeldet werden
oder nicht. Auch in der Vergangenheit waren wir mit
Repression konfrontiert: Am 3. Oktober 2007 oder am
29. November 2008 bedrängte die Polizei Demonstrationen
und schränkte die Freiheit der TeilnehmerInnen
ein. Verletzte und Strafanzeigen waren stets die Folgen.
4. Der Polizeistaat hat aufgerüstet. Heute waren
neben der Bereitschaftspolizei auch Spezialkräfte
der Beweissicherungs- und Festnahme Einheit (BFE)
und Pferdestaffel vor Ort. Diese teils paramilitärisch
organisierten Einheiten liefen ohne Abstand direkt
neben der Demo, bedrängten, schlugen und traten
dabei TeilnehmerInnen ohne ersichtlichen Grund. Die
Versammlung wurde flächendeckend videoüberwacht.
Die Polizei versuchte, einzelne TeilnehmerInnen einzuschüchtern,
indem sie ihnen mitteilte, sie würden später
sowieso alle auf dem Videomaterial der Polizei identifiziert.
Nach der Demo erteilte die Polizei Aufenthaltsverbote
für die TeilnehmerInnen, z.B. für das Blumenpeterfest
am Wasserturm – eine rechtlich fragwürdige
Praxis. Während der Demonstration kam es sogar
zu Übergriffen auf Sanitätsdienste, die
sich um Verletzte kümmern. Trotz allem ließen
sich die Demonstrierenden nicht einschüchtern,
liefen bis zum Ende geschlossen und setzten sich mit
kreativen Aktionen, auch außerhalb des Polizeikessels,
gegen den Überwachungsstaat zur Wehr.
5. Das veranstaltende Bündnis teilte mit, dass
das Mannheimer Ordnungsamt nicht auf ein Gesprächsangebot
des Bündnis einging. Ein Kontakt wurde angeboten,
jedoch nicht wahrgenommen. Die Stadt Mannheim, die
sich gerne als liberal und offen darstellt, hat stattdessen
den Einsatz Polizeikräften überlassen –
größtenteils kasernierte Einheiten von
außerhalb.
6. Anders als die Ordnungskräfte haben Mannheimer
PassantInnen und LokalpolitikerInnen ihre liberale
Grundhaltung zum Ausdruck gebracht. Lautstarker Protest
an den Einsatzkräften der Polizei war am Paradeplatz
zu hören. „Lasst sie doch in Ruhe laufen“
riefen alte und junge Menschen. StadträtInnen
und Bundestagsabgeordnete, die zwecks Wahlkampf auf
der Straße waren, entschieden sich spontan dafür,
mit der Polizei zu verhandeln und sich für die
Demonstrationsfreiheit einzusetzen.
Der
Erfolg des Tages ist die erste Durchsetzung einer
öffentlich beworbenen, unangemeldeten Demonstration
in Mannheim. Diese symbolische Aktion des Ungehorsams
ist ein weiterer Schritt gegen den Ausbau des Polizei-
und Überwachungsstaates, der auch in Mannheim
vollzogen wird.
Informationen
zum „Bündnis Soziale Revolution“
und zur Demonstration finden sich unter http://sozialerevolution.blogsport.de
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