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Bleiberecht für traumatisierte Flüchtlinge sofort!
Bleiberecht für Familie Yildiz!

Das Asylrecht wurde 1993 in der Bundesrepublik faktisch abgeschafft. Seitdem werden Flüchtlinge immer stärker ausgegrenzt und entrechtet. Die beiden Regierungen unter Kanzler Kohl und Schröder haben in Europa die Vorreiterrolle bei der Flüchtlingsabwehr, beim Bau der Festung Europa übernommen. Die Konsequenzen sind äußerst inhuman und erschreckend:
So sind beim Versuch, in ein europäisches Land zu flüchten, seit 1993 insgesamt mehr als 5000 Menschen zu Tode gekommen.
Im Zeitraum von 1993 bis Ende 2003 starben mindestens 145 Menschen auf dem Wege in die Bundesrepublik oder an ihren Grenzen, 121 Menschen töteten sich selbst angesichts ihrer drohenden Abschiebung oder starben beim Versuch, vor der Abschiebung zu fliehen. Seit 1993 wurden über 300.000 Menschen in ihre Herkunfts- oder andere Länder abgeschoben.
Schon vor Jahren bezeichnete Pro Asyl die Abschiebehaft, die bis zu einem Jahr dauern kann und die Abschiebungen als organisierte Unmenschlichkeit. Das Hauptmerkmal dieser repressiven Politik ist die Kriminalisierung der Flüchtlinge, was gerade auch durch permanente Razzien und Kontrollen vor den Augen der Mehrheitsbevölkerung ganz offen zum Ausdruck kommt.
Der Kurs der Flüchtlingsbekämpfung wurde unter Innenminister Schily rigide fortgesetzt. Das lange diskutierte neue Zuwanderungsgesetz beinhaltet für viele Flüchtlinge überhaupt keine Verbesserung. Im Gegenteil: Seitdem das Gesetz in Kraft getreten ist, wird immer häufiger langjährig geduldeten Flüchtlingen, die arbeiten konnten die Arbeitserlaubnis entzogen. Dadurch wird ihr Aufenthaltsstatus noch verschlechtert.

Vor diesem Hintergrund ist die unsensible und elementare, die Menschenrechte verletzende Politik gegenüber traumatisierten Flüchtlingen - das sind meist unmittelbar Gefolterte – keine Ausnahmeerscheinung sondern logische Konsequenz.

Es wird geschätzt, dass mindestens ein Drittel der Geflüchteten Traumatisierte sind. Ihre Gesundheit ist physisch und psychisch oft schwer beeinträchtigt. Von den ihnen zugefügten Leiden werden sie ihr ganzes Leben verfolgt. Die Angst vor der Polizei und vor Abschiebung in ihre Herkunftsländer, wo sie häufig gefoltert wurden und wo ihnen erneut Gefängnis, Folter und sogar Tod drohen, begleiten sie ständig. Repressive und besonders unsensible Behandlung durch Behörden, Gerichte und Polizei können eine Re-Traumatisierung hervorrufen, die sie ihre im Herkunftsland erlittenen Qualen gleichsam ein zweites Mal erleben lässt.

Aus nächster Nähe haben wir dies vor kurzem bei einer Asyl-Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht Neustadt am 19. Mai dieses Jahres wahrgenommen: Der Vater der in Ludwigshafen lebenden Familie Yildiz wurde re-traumatisiert, als er vor dem Richter auf die erlittene Folter zu sprechen kam.
In diesem Zusammenhang ist aufschlussreich, dass seit geraumer Zeit ärztliche Gutachten vorliegen, die eindeutig die Traumatisierung bei Vater und Tochter belegen. Beide sind wegen der Verfolgung längere Zeit hier in der BRD in stationärer Behandlung gewesen. Der Vater muss weiterhin behandelt werden.

Aus diesen und ähnlichen uns empörenden Erfahrungen, die wir auch bei anderen Flüchtlingen machen konnten, haben wir die Konsequenz gezogen, dass wir für traumatisierte Flüchtlinge ein sofortiges Bleiberecht verlangen. Unsensible Befragungen, fortgesetzte Angst vor Abschiebung und entwürdigende Behandlung verschlimmern die Situation der Betroffenen und sind ihnen nicht mehr länger zuzumuten. Widerstand hiergegen müsste eigentlich für viele Menschen selbstverständlich sein!

Unabhängig vom weiteren Verlauf eines gerichtlichen Verfahrens fordern wir daher ein sofortiges uneingeschränktes Bleiberecht für die gesamte Familie Yildiz!
Wir werden darüber hinaus unseren Kampf für ein sofortiges Bleiberecht für alle traumatisierten Flüchtlinge intensivieren!
Wir fordern aber auch ein Bleiberecht generell für Flüchtlinge. Wir wollen, dass die Fluchtursachen und nicht die Flüchtlinge bekämpft werden. Dieses Ziel können wir nur erreichen, wenn wir den Kampf der Flüchtlinge für gleiche Rechte und gegen ihre Ausgrenzung und Diskriminierung verbinden mit den anderen Kämpfen für eine Welt ohne Krieg, Ausbeutung und Herrschaft!
Bündnis gegen Abschiebungen Mannheim

Mannheim, den 13. Juni 2005