Trotz strömenden Regen gute Stimmung bei der Nachttanzdemo „Zum Teufel mit dem Katholikentag“

Am 19.05.2012 tanzten mehrere hundert Menschen auf der Nachttanzdemo unter dem Motto „Zum Teufel mit dem Katholikentag“ durch Mannheim. Trotz strömendem Regen und Unwetterwarnungen setzen sie ein deutliches Zeichen gegen das reaktionäre Treiben rund um den 98. Deutschen Katholikentag. Die Demonstration war der Höhepunkt einer Kampagne, die sowohl die katholische Kirche als auch Religion und Glaube an sich thematisiert und kritisiert. Die organisierenden Gruppen AK Antifa, Anarchistische Gruppe, Zehn-Uhr-Party/Elektronisches Tanzfest, LGBT (LesbianGayBisexualTrans) und „Die PARTEI“ stellten auf der Nachttanzdemo jeweils einen Wagen mit unterschiedlicher Musik.

Im Vorfeld musste sich das organisierende Bündnis gegen die Blockadepolitik der Stadt durchsetzen, die den Aufzug durch abstruse Auflagen und eine Route um die Innenstadt herum von einer deutlichen Positionierung der Inhalte abhalten wollte. „Es scheint als passe es der Stadt nicht in ihr Konzept, dass es Menschen gibt, die sich nicht diesem religiösen Trubel unterwerfen wollen,“ sagte dazu eine Sprecherin des Bündnis.

Die Veranstaltung begann um 19 Uhr in der Nähe des Hauptbahnhofes. Noch während der Auftaktkundgebung ging ein starker Schauer nieder und Blitze zuckten durch den Himmel. Im strömenden Regen liefen die etwa 300 tanzenden Katholikentagsgegner_innen am Schloss vorbei. Im Laufe des Demonstrationszuges durch den Jungbusch stießen viele weitere Leute dazu und der Regen ließ nach.

Zwischen elektronischer Musik, Rock, Punk, Drum ‘n’ Bass und Schlagern transportierte die Demonstration ihr Anliegen über Jingles, Transparente, Schilder, T-Shirts und Sprechchöre. Thematisiert wurde vor allem die homophobe und frauenfeindliche Politik der katholischen Kirche. Eine Sprecherin des Bündnis sagte dazu: „Obwohl sich die katholische Kirche auf ihrem Kirchentag gerne als modern und sozial präsentiert, sieht die tatsächliche Lage der Kirche noch immer vollkommen anders aus: Frauen und Homosexuelle werden diskriminiert und das kirchliche Verbot von Abtreibung und Verhütungsmitteln führt weltweit zu Tod und Elend.“ Für massive Kritik sorgte ein Stand der „Katholischen Ärzte“ auf dem Katholikentag, die behaupten, Homosexualität sei eine Krankheit und heilbar.

Nicht nur die katholische Kirche stand in der Kritik der Demonstration. „Wenn wir ernsthaft eine befreite Gesellschaft fordern, dann darf auch eine grundlegende Kritik an Religion und Glaube nicht zu kurz kommen,“ sagt ein Sprecher des Bündnis. Durch die Orientierung am Jenseits oder dem Einordnen in einen „göttlichen Plan“ werden durch Religion und Glaube die gesellschaftlichen Ungleichheitsverhältnisse des Kapitalismus zementiert. Sie schaffen ein verkehrtes Bewusstsein, in dem den gesellschaftlichen Verhältnissen das abstrakte Gegenbild einer irrealen, besseren Welt gegenübergestellt wird.

Die Demonstration endete am Neuen Messplatz in der Neckarstadt. Im JUZ „Friedrich Dürr“ folgte eine Party unter selben Motto. 350 Besucher_innen feierten bis in die Morgenstunden.

Trotz viel Arbeit und schlimmen Wetter waren die an der Organisation beteiligten Aktivist_innen mit dem Tag zufrieden. Am 25. Mai findet im Jugendkulturzentrum FORUM die letzte Veranstaltung zum Thema statt, der Titel lautet „Was denkt der Papst? Streifzug durch das Weltbild des katholischen Obergurus“.

 

Vielen Dank auch an den Fotografen. Weitere Bilder hier.

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