Die Hammerskins – Geheimorganisation auf dem Weg in die öffentliche Debatte

Seit Jahren weisen antifaschistische Gruppen in der Rhein-Neckar-Region auf die Gefahr hin, die von der nationalsozialistischen Organisation Hammerskins ausgeht. Während dies im öffentlichen Diskurs bisher wenig Resonanz fand, bestätigt nun ein interner Bericht des BKA die antifaschistischen Meldungen der letzten Jahre.

Geheimorganisation mit Sitz in Ludwigshafen

Redeker, Gerlach

Führungskader der Hammerskins, von links: Malte Redeker, Thomas Gerlach, Christian K.; Bild: Antifaschistisches Infobüro Rhein-Main

Die Hammerskins sind eine 1986 in den USA gegründete rassistische und faschistische Skinheadorganisation. Sie verstehen sich als elitäre Bruderschaft und sind, ähnlich wie Rockergruppen, in Chaptern organisiert, von denen es deutschlandweit elf geben soll, davon drei in Baden-Württemberg. Während das Chapter Württemberg noch recht jung ist, hat das Chapter Baden bereits Konzerte und Treffen organisiert. Am aktivsten ist jedoch das Chapter Westmark, das auch in Rheinland-Pfalz, Südhessen und dem Saarland aktiv ist. Seine Mitglieder kommen aus Mannheim, Ludwigshafen, Frankenthal, Haßloch, Viernheim, Bad Dürkheim und Saarbrücken. Größere Veranstaltungen fanden beispielsweise 2007 in Kirchheim an der Weinstraße mit der Band „White Voice“ statt, auch einige der Nazi-Konzerte zwischen 2002 und 2005 in Mannheim-Rheinau gehen auf das Konto der Hammerskins. In der letzten Zeit nutzen sie vermehrt das französische Ausland für Veranstaltungen, um der Repression und Überwachung durch die deutsche Polizei zu entgehen. Im Elsass haben sie bereits ein eigenes Grundstück gekauft. Im November 2012 fand das Hammerfest, eine Großveranstaltung der europäischen Hammerskins in Toul statt, das von Ludwigshafen aus organisiert wurde.

Demo in Kirchheim

Gegen das damalige Nazi-Zentrum in Kirchheim an der Weinstraße gab es antifaschistische Proteste; Bild: Indymedia

Während das BKA in seiner Analyse von Straftaten der Hammerskins berichtet, heißt es im Webauftritt des Landesamts für Verfassungsschutz: „In Baden-Württemberg unterhalten zwar einzelne rechtsextremistische Skinheads Kontakte zu den „Hammerskins“, ein sogenanntes „Chapter“ (regionale Gruppe) konnte bislang jedoch nicht festgestellt werden.“ Im aktuellen Verfassungsschutzbericht 2011 tauchen die Hammerskins noch nicht einmal auf. Einen Erklärungsansatz bietet das Antifaschistische Infoblatt, Ausgabe #97, nachdem V-Leute am Aufbau einiger Chapter in den 90er Jahren beteiligt gewesen sein sollen. Als 2000 die Naziorganisation „Blood&Honor“ verboten wurde, sollten ursprünglich die Hammerskins gleich mitverboten werden. Dies scheiterte wohl auch daran, dass der Verfassungsschutz den Hammerskins „mangelnde Relevanz“ nachsagte. In den folgenden 12 Jahren konnten die Hammerskins die Lücke schließen und werden heute als die wichtigste Organisation für rechte Skinheadkultur und Nazi-Musik angesehen.

Enge Verbindungen zu NPD und NSU

Der Ludwigshafener Malte Redeker gilt nach Informationen der Frankfurter Rundschau als europäischer Kopf der Hammerskins. Zumindest die deutsche Führerschaft bestätigt die BKA-Analyse, die der TAZ vorliegt. In einem Artikel vom 11. Januar  zitiert die Zeitung das BKA zur Person Redeker: Er verfüge über „zahlreiche bundesweite Kontakte zu Betreibern von Musikverlagen, zu rechten Musikgruppen aus dem In- und Ausland, zu verschiedenen Kameradschaften und zu NPD-Funktionären“.

NPD in Worms

Der Hammerskin-Chef Redeker (links) als Teilnehmer einer NPD-Kundgebung in Worms; Bild: Antifaschistisches Infobüro Rhein-Main

Auch das Magazin LOTTA weiß über Redekers Führungsqualitäten. „Er bringt kraft seiner Autorität die Leute an einen Tisch, moderiert Konflikte und kümmert sich um die, die er väterlich „seine Jungs“ nennt.“ In der Ludwigshafener rechten Szene ist Redeker ein Multifunktionär. Neben seiner Funktion als Chef der Hammerskins ist er Teil der Führungsriege des Kameradschaftsnetzwerks Aktionsbüro Rhein-Neckar und als ehemaliger Ladenbesitzer und Betreiber des Internetversandhandels Gjallarhorn Klangschmiede vor allem bei jungen Nazis bekannt und beliebt. Gemeinsam mit Matthias Herrmann (Hassloch) und anderen werden Strategien und Aktivitäten besprochen. Durch die Funktion Herrmanns als Landesgeschäftsführer der NPD Rheinland-Pfalz gibt es eine unmittelbar abgestimmte Zusammenarbeit von NPD, Kameradschaften und Hammerskins in der Rhein-Neckar-Region. Nach aktuellen Informationen von LOTTA versucht Redeker zur Zeit eine Discothek oder Kneipe in Ludwigshafen anzumieten.

Gewalt und Musik als zentrale Betätigungsfelder

Während die Musik vor allem in Richtung Nachwuchs rechte Ideologien verbreiten und über Konzerte Gruppenzugehörigkeit und Stärke vermitteln soll, sind die Hammerskins nach außen eine äußerst brutal agierende Organisation. Dies ist kaum verwunderlich bei solchen Musiktexten: „Weiß sind die Männer, die für Deutschland siegen. Rot ist das Blut auf dem Asphalt.“

Wie brutal die rechte Gewalt eskalieren kann, zeigte sich nicht nur bei einem Überfall auf einen Sikh-Tempel in den USA, wobei sechs Menschen aus rassistischen Motiven beim Blutrausch eines Hammerskins-Mitglieds ermordet wurden. Auch in Baden-Württemberg zeigte ein schockierender Überfall, an Personen aus dem Umfeld der Hammerskins beteiligt waren, die Gefahr der rassistischen Ideologie. In Winterbach (Rems-Murr-Kreis) überfielen sie bei einer Grillfeier in einer Schrebergartensiedlung im April 2011 aus rassistischen Motiven eine kleine Gruppe Jugendliche. Diese flüchteten in eine Holzhütte, die daraufhin von den Nazis angezündet wurde. Die Jugendlichen überlebten, teils schwer verletzt. Aktuell läuft dazu noch ein Prozess vor dem Landgericht Stuttgart.

Ladenschluss-Demo

2009 demonstrierten hunderte Antifaschist_innen gegen einen Laden von Hammerskins-Chef Redeker in Ludwigshafen-Süd; Bild: Antifaschistische Initiative Heidelberg

Auch der bewaffnete Überfall 2009 auf ein Bekleidungsgeschäft in Mannheim scheint auf das Konto der Hammerskins zu gehen. Während in Ludwigshafen gegen einen Nazi-Laden demonstriert wurde, demolierten 50 Nazis in den Mannheimer Quadraten ein Ladengeschäft und machten Jagd auf die Angestellten. Der Überfall sollte offenbar eine Racheaktion darstellen, da das Geschäft Flyer für die Demonstration gegen den den Nazi-Laden in Ludwigshafen verteilt hatte. Inhaber des Ladens, dem mittlerweile gekündigt wurde, war Hammerskins-Chef Malte Redeker, der dort Propagadaartikel und Musik seiner Organisationen vertrieb.

Das Antifaschistische Infoblatt berichtet weiter über Schießtrainings im Ausland und Waffenschmuggel sowie Verbindungen zum rechtsterroristischen Netzwerk Combat 18, insbesondere in der Schweiz. Auch zum Terrortrio NSU gab es Verbindungen über den Hammerskin Thomas Gerlach (Sachsen), einen engen Vertrauten Redekers, die Polizei ermittelte auch in Ludwigshafen.

Dass Redeker, selbst seit Jahren aktiver Kampfsportler, junge Nazis im Thai-Boxen zu Schlägern ausbildet, ist in der rechten Szene allseits bekannt. Die öffentliche Auseinandersetzung mit den lokalen Aktivitäten der Hammerskins fand bisher in Medien, Politik und Gesellschaft wenig Beachtung. Umso erfreulicher war es, als sich ein Mannheimer Kampfsportverein von Redeker trennte, nachdem er über dessen rechte Aktivitäten informiert wurde. Daran gilt es anzuknüpfen und den Nazis insbesondere in Ludwigshafen die öffentlichen und geheimen Räume zu nehmen.

Zum Weiterlesen:

„Internationaler Hass – Das Netzwerk der Hammerskins“; in Antifaschistisches Infoblatt #97, Winter 2012/2013, http://aib.nadir.org

„Die Stadt, die Arbeit und die Nazis – Analyse der Ludwigshafener Nazi-Szene“; in LOTTA #49, online http://www.lotta-magazin.de/pdf/49/l49_er_ludwigshafen.pdf

„Hetzjagd auf der Bühne – Neonazi-Netzwerk um Hammerskins“; in TAZ.de vom 11.01.2013, online: http://www.taz.de/Neonazi-Netzwerk-um-Hammerskins/!108876/

„Europas Neonazis feiern sich selbst“; in Frankfurter Rundschau vom 04.11.2012, online: http://www.fr-online.de/politik/hammerskins-europas-neonazis-feiern-sich-selbst,1472596,20788206.html

„BKA bestätigt intern die Berichterstattung antifaschistischer Medien über Hammerskins und Malte Redeker“; Antifaschistisches Infobüro Rhein-Main vom 14.01.2013, online http://www.infobuero.org/2013/01/bka-bestaetigt-intern-die-berichterstattung-antifaschistischer-medien-ueber-hammerskins-und-malte-redeker/

„Hör mal, wer da hämmert – Hammerskins im Saarland und angrenzenden Frankreich“; in DerRechteRand #132, Oktober 2011, http://antifa-saar.org/wordpress/wp-content/uploads/2013/01/DRR_134_Hoer_mal_wer_da_haemmert.pdf

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